• Möglicherweise ist ein Begräbnis unter Menschen
    eine Hochzeitsfeier unter Engeln.

    Khalil Gibran

Wie verhalte ich mich bei einer Trauerfeier?

Aktuelle Besonderheiten während der Einschränkungen durch die Corona-Bekämpfungsverordnungen

Gerade in aktuellen Zeiten ist es besonders schwer sein Mitgefühl und seine Unterstützung den Angehörigen bei einem Sterbefall mitzuteilen. Bei den Beerdigungen und den Beisetzungen dürfen nur die engsten Familienmitglieder dabei sein. Besuche zu Hause bei den Trauerfamilien sind zwar wieder erlaubt, aber noch immer irgendwie auch nicht.
Gerade jetzt ist es daher wichtig deutliche Zeichen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zu setzen.
Auch in den Trauerfamilien ist die Unsicherheit sehr groß. Viele Familien haben Hemmungen den guten Bekannten den Besuch der Beisetzung oder Beerdigung abzusagen. Manche wissen nicht mehr wie auf gut gemeinte Angebote nach Unterstützung reagiert werden kann, ohne dabei in Gefahr eines hygienischen Verstoßes zu geraten.
Wir empfehlen jedem, der von dem Tode eines guten Bekannten, Familienmitglied oder Freund unterrichtet wird, aktuell zunächst folgende Vorgehensweise:
Telefonieren sie als erstes mit der engsten Familie und/oder ihrer Kontaktperson zur engsten Familie. Bestätigen sie, dass sie Verständnis dafür haben, wenn momentan die Trauerfeier etwas kleiner ausfallen wird. Bedrängen sie die Familie nicht mit einem möglichen Besuch oder dem Besuch auf dem Friedhof. Stehen sie aber bereit für Wünsche oder Angebote, die Ihnen gemacht werden. Auch Unterstützung bei den Amtswegen, Einkaufshilfen, das Absagen von Terminen für die Familie oder den Verstorbenen kann den engsten Betroffenen eine schwere Bürde abnehmen, oder auch das Benachrichtigen weiterer Bekannter kann der engsten Familie sehr hilfreich sein. Machen sie konkrete Angebote, aber drängen sie auch nicht darauf. Stehen sie aber zu ihren Worten, auch wenn die Anfragen und Bitten dann doch erst nach einigen Monaten oder Wochen kommen.

 

Davon unberührt bleiben die allgemeinen Verhaltensregeln zum Verhalten bei einer Trauerfeier:

Respekt und Mitgefühl

Sollten Sie die Möglichkeit haben, erscheinen Sie zur Beisetzung. Es gibt keine bessere Möglichkeit sein Mitgefühl auszudrücken und dem Dahingeschiedenen Respekt zu zollen. Schaffen Sie sich ein Zeitpolster und versuchen Sie, etwas früher da zu sein, vielleicht 10 bis 15 Minuten. Sie sollten nicht zu spät kommen Machen Sie frühzeitig das Handy aus, idealerweise nehmen Sie es erst gar nicht mit

Während des Trauergottesdienstes, dem Weg zum Grab und der Beerdigung selbst sollten Sie schweigen – zum Austausch mit den anderen Trauergästen ist im Anschluss genug Zeit. Tragen Sie dunkle Kleidung. Kopfbedeckungen sind für Männer tabu, Frauen können einen dezenten Hut tragen. Kinder brauchen nicht in schwarz gekleidet sein, aber auch hier sind gedeckte Farben wünschenswert.

Seien Sie sich darüber bewusst, dass die Beisetzung der letzte gemeinsame Moment der Hinterbliebenen mit dem/der Verschiedenen ist, die Verletzlichkeit und der Schmerz sind jetzt besonders groß. Üben Sie sich deshalb in Zurückhaltung und reagieren sie sensibel auf die Körperhaltung und den Gesichtsausdruck der engsten Angehörigen. In vielen Fällen zeigen diese durch ihre Körperhaltung und den Blickkontakt deutlich ob ihnen am Grab Kondolenzen zuzumuten sind. Sollte es ihnen möglich sein, schieben  Sie Beileidsbekundungen, tröstende Worte oder Umarmungen auf das Zusammentreffen beim späteren Beerdigungskaffee.

Trauermahl

Im kleinen Kreise kann das Trauermahl auch jetzt wieder stattfinden. Ob es stattfindet und ob sie eingeladen sind, das entscheidet aktuell allerdings nicht der Wunsch der engsten Familienangehörigen, sondern die gesetzlich mögliche Anzahl der Gäste. Zum diesem im Anschluss an die Beerdigung stattfindenden Trauermahl / Kaffeetrinken wird explizit eingeladen, meistens durch die Familie direkt oder den Pfarrer/Pastor oder Trauerredner. Ein solches Zusammensein soll den Übergang von der Trauer zur Normalität schaffen, vom Tod zum Leben.  Hier haben Sie Gelegenheit, Ihre guten Erinnerungen an den Verstorbenen mit den anderen Gästen zu teilen, zu weinen und zu lachen.

Falls eine solche Einladung nicht ausgesprochen wurde und falls kein Ort bekannt gegeben wurde wo dieses stattfinden soll, dann sollten sie nicht zu den Angehörigen nach Hause fahren um dann einen zusätzlichen Kondolenzbesuch abzustatten. Sie sollten vielmehr dann den Wunsch der Angehörigen respektieren alleine oder im engsten Kreise bleiben zu wollen.

So sensibel sie auch im Umgang mit den Angehörigen sein sollten, so großmütig sollte man diesen auch Entscheidungen nachsehen,  die sie selbst vielleicht anders richtiger empfunden hätten.

Mit Kondolenzbesuchen warten

Während der ersten Tage nach dem Todestag eines engen Angehörigen prasseln auf die engsten Angehörigen, trotz aller Unterstützung durch uns oder anderer Bestatterkollegen, unzählige Entscheidungen ein. Und dies in einem Moment in dem schon ganz einfache Entscheidungen enorme Energie kosten.

Die wahre Arbeit der Trauer fängt erst nach der Beerdigung/Beisetzung an. Ernst gemeinte Kondolenzbesuche werden einige Tage und Wochen nach der Beerdigung/Beisetzung möglicherweise als hilfreicher empfunden.  Trotzdem sollten sie natürlich nicht auf kurze Besuche oder Anrufe während der ersten Tage gänzlich verzichten.

Wie kondoliere ich richtig?

Eine allgemein gültige Antwort gibt es nicht. Wenn Sie ein naher Freund oder Verwandter des Verstorbenen waren, werden Sie den Angehörigen einen persönlichen Besuch abstatten wollen und Hilfe anbieten; waren Sie ein Arbeitskollege und kennen den Hinterbliebenen nicht, beschränken Sie sich vielleicht auf den Besuch der Beerdigung. Ihre Reaktion hängt von Ihrer Beziehung zum Verstorbenen, zu den Hinterbliebenen und nicht zuletzt auch von Ihrer Persönlichkeit ab.

Der Tod eines bekannten oder geliebten Menschen ist eine Extremsituation, die Sie vor ungewöhnliche Fragen stellt. Sie sind gezwungen, auf für Sie vollkommen ungewohnte Art mit anderen Trauernden / Hinterbliebenen zu kommunizieren. Wie begrüßt man jemanden, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat? Welche Formulierung eignet sich, um den eigenen Schmerz auszudrücken? Sollten Sie laut sprechen oder lachen?

Verbindliche Antworten darauf kann es nicht geben, allerdings gibt es einige Regeln, die Ihnen helfen können:

  • Vermeiden Sie Floskeln. Belasten Sie die Hinterbliebenen nicht mit leeren Worthülsen wie  z. B. „das wird schon wieder“. Wenn Ihnen gar nichts Passendes einfällt, dann schweigen Sie besser.                     Ein Blick, ein Händedruck oder eine Umarmung sagen oft schon genug
  • Wenn Sie einen Kondolenzbrief schreiben, verwenden Sie schlichtes Papier und einen schlichten Umschlag. Schreiben Sie von Hand oder mindestens sollten sie persönlich unterschreiben, auch wenn der Text ausgedruckt wurde.
  • Verfassen Sie Ihren Kondolenzbrief direkt nachdem Sie vom Todesfall erfahren haben
  • Gehen sie zwar auf das Ende des verstorbenen Lebens ein, aber betonen sie stärker die Erinnerungen oder die Erlebnisse mit dem lebenden Freund/Verwandten oder Kollegen.
  • Überlegen Sie was und wie Sie etwas sagen und berücksichtigen dabei die besondere Lage der Hinterbliebenen. Versuchen sie sich vorzustellen, womit man Ihnen selbst überzeugend Mitgefühl ausdrücken könnte.
  • Versuchen Sie nicht, das Ereignis zu relativieren, sondern helfen Sie in der Trauer durch Ihren persönlichen Zuspruch.
  • Sprechen Sie private und persönlichen Ereignisse nicht an, die nicht auch im Zusammenhang mit der/dem Verstorbenen stehen.
  • Geben Sie Ihre Beileidsbekundung möglichst persönlich ab, insbesondere wenn es sich um nahe Verwandte oder Bekannte handelt.