Trauer - wie soll das weitergehen?

Unser Umgang miteinander hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert – erst durch die Industrialisierung und dann durch die heutige Informationsgesellschaft.

Früher war in der Großfamilie Romanze, Heirat und Geburt unter einem Dach vereint mit Krankheit, Sterben und Tod. Heute erscheint vieles segmentiert; hier die Jungen dort die Alten – da Gesundheit und dort Krankheit. Und so haben viele Menschen nie lernen und auch nie erfahren können, was Sterben und Tod bedeutet. Wenn Sie sich heute fragen, wie Sie mit Ihrer Trauer umgehen können, dann finden Sie vielleicht auf diesen Seiten einige Anregungen für sich.

Wozu ist Trauer gut?

Mit der Trauer nähern wir Menschen uns schmerzlich der Erkenntnis der Endlichkeit. Die Einsicht reift, dass ein Mensch tatsächlich nicht mehr da ist, dass diese Person eben nicht mehr plötzlich durch die Türe kommt, lacht und viele Bereiche des täglichen Lebens nun einmal nicht mehr so sein werden, wie bisher. Diese Einsicht ist oft so schmerzhaft, dass Menschen manchmal meinen, im Trauerfall besonders stark sein zu müssen oder versuchen, sich anders abzulenken.

Wir können Sie nur ermutigen, die Trauer und damit auch den Schmerz zuzulassen, sodass Sie Ihren persönlichen Weg der Trauerbewältigung finden können. Über Jahrhunderte hinweg haben Menschen versucht, den Tod zu begreifen. Letztendlich haben sie Rituale gefunden, die es ihnen ermöglicht haben, besser mit der Trauer umzugehen. Wir haben zehn Gedanken zusammengetragen, die Sie als Anregung für Ihre Trauerarbeit verstehen können. Aber es ist Ihre Trauerarbeit, es ist Ihr Weg und Sie gestalten ihn für sich und somit gibt es hier auch kein „richtig“ und kein „falsch“.

 

10 Gedanken

1. Den Verstorbenen sehen

Sie sollten für sich entscheiden, ob Sie die verstorbene Person noch einmal sehen möchten. Dies ist eine ganz persönliche Entscheidung. Wenn Sie dies tun möchten überlegen Sie, ob Sie von einer Person begleitet werden möchten und wer das sein könnte. Übrigens, auch die früher übliche Aufbahrung des Verstorbenen in der Wohnung ist weiterhin möglich. Ein Leichnam muss nicht sofort überführt werden. Sie können sich also Zeit lassen.

2. Trauerfeier mitgestalten

Mit der Trauerfeier erweist man der verstorbenen Person die letzte Ehre. Gleichzeitig hilft sie dabei, sich den Tod der Person noch einmal vor Augen zu führen. Nun kann begonnen werden, das Geschehene als unumkehrbar zu realisieren. Sie können und sollten die Trauerfeier so gestalten, wie Sie es für richtig halten. Denn schließlich geht es darum, dass Sie sich und auch die nächsten Angehörigen, Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn und Kollegen verabschieden können.

3. Die Bestattung

Die Bestattung ist ein wichtiges Ritual in der Trauerarbeit. Der Sarg oder die Urne wird beigesetzt. Es ist der letzte gemeinsame Weg und er kann ein sehr wichtiger Baustein sein, um später besser loslassen zu können. Bei unseren Urnen-Bestattungen, auch wenn sie als „anonym“ bezeichnet werden, können Sie immer mit anwesend sein. Auch andere Friedhöfe bieten dies an.

4. Der Leichenschmaus

In fast allen Kulturen kommt die Trauergemeinde nach der Bestattung noch einmal zusammen. Früher kam dem Leichenschmaus gerade in dörflichen Gemeinschaften eine wichtige Bedeutung zu. Hinterbliebenen wurde deutlich gemacht, dass sie weiterhin Teil der Gemeinschaft sind und es galt auch ganz praktische Aspekte des künftigen Lebens zu besprechen. Auch heute wird diese Feier von der Familie und den Angehörigen des Verstorbenen ausgerichtet und ist eine gute Gelegenheit über Vergangenes, Verbindendes und die Zukunft zu sprechen.

5. Briefe nach der Bestattung

Die Zeit bis zur Bestattung ist für die meisten nahen Angehörigen des Verstorbenen eine angespannte Zeit, Verwandte sind zu benachrichtigen, die Bestattung will organisiert werden und vieles mehr. Mit der Zeit nach der Bestattung kehrt etwas Ruhe ein und es beginnt der „neue Alltag“, ohne die verstorbene Person. So erleben Sie die Lücken, die der Verstorbene hinterlassen hat. Vielleicht ist es für Sie in dieser Zeit hilfreich, sich an die nahen Verwandten, Freunde und Bekannte zu wenden. Sie können mit einem Brief auf die letzten Tage und die Ihnen entgegengebrachte Unterstützung eingehen. Oder Sie lassen in Ihren persönlichen Zeilen noch einmal vergangene Zeiten Revue passieren.

6. Gefühle zulassen

Scheuen Sie sich nicht, Ihre Gefühle zuzulassen und auch zu zeigen. Manchmal ziehen sich Hinterbliebene zurück und sie möchten über die Unausweichlichkeit des Todes und den erlittenen Verlust nicht sprechen. Überlegen Sie einmal: Können Sie nicht erst dann ein neues Gleichgewicht finden, wenn Sie die Gefühle der Trauer, der Wut oder Enttäuschung zulassen? Es ist auch völlig normal, dass Sie in der Zeit der Trauer vielleicht Dinge machen, die andere Menschen schwer nachvollziehen oder als etwas eigenartig empfinden. Aber letztendlich werden Sie Ihren persönlichen Weg der Trauerbewältigung finden. Viele Menschen haben gute Erfahrungen damit gemacht, die eigenen Gedanken am Abend mit einem Tagebucheintrag zu sortieren. Auch kann es hilfreich sein, die ersten Wochenenden nach der Bestattung oder kommende wichtige Fest- und Feiertage für sich so zu planen, dass sie angenehm sind.

Alkohol oder Beruhigungsmittel helfen in dieser Zeit letztendlich wenig, Abstand und Heilung zu finden. Wenn Sie sich in Ihrer Trauer allein gelassen fühlen, dann scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. In vielen Städten und Gemeinden gibt es auch spezielle Selbsthilfegruppen zur Trauerbewältigung. Mehr finden Sie weiter unten unter dem Link „Rat und Hilfe“.

7. Den Toten gestatten, tot zu sein

Das Ende der Trauer ist dann erreicht, wenn Sie loslassen können. Dann haben Sie die Unumkehrbarkeit des erlittenen Verlustes angenommen und können die verstorbene Person „gehen lassen“. Natürlich wird eine Traurigkeit bleiben, doch werden Sie für sich ein Gleichgewicht und eine neue Lebensperspektive ohne den Verstorbenen gefunden haben.

8. Nach vorne schauen

Bereits in der Trauerphase haben viele Menschen positive Erfahrungen gemacht, indem sie in sich hineingehört haben, was ihnen in dieser Situation gut tut. Oft stellen sich dann Fragen wie „soll ich die geplante Reise wirklich antreten?“, „ist es richtig, wenn ich eine bestimmte Anschaffung nun vornehme?“, und so weiter. Gerade bei hinterbliebenen Ehe- und Lebenspartnern tauchen solche Zweifel oft auf. Es wird neu für Sie sein, sich Ihre Meinung ohne den Partner zu bilden. Letztendlich werden Sie sich für Ihren Weg nach vorne entscheiden. Das Sprichwort „das Leben geht weiter“ mag zwar trivial klingen, aber es ist nun einmal auch wahr. Bei zu großen Zweifeln können Sie ja ohnehin mit einer vertrauten Person das für und wider einer Entscheidung abwägen.

9. Der Toten gedenken

Mit gewonnenem Abstand kann es etwas Tröstliches und sogar sehr Schönes sein, des Toten zu gedenken. So nutzen viele Menschen den Geburts- oder Todestag für einen Besuch am Grab. Diese Tage sind oft ein willkommener Anlass, dass Angehörige und nahe Freunde zu einem Treffen zusammenkommen. Oft freut es Familienmitglieder, wenn Sie bei solchen Anlässen auch über Erlebnisse mit dem Verstorbenen erzählen.

10. Bei den Lebenden anfangen

Wenn Sie den erlittenen Verlust angenommen haben und eine neue Lebensperspektive finden konnten, kann es sehr befriedigend sein, anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. Sie können sich nahestehenden Menschen zuwenden, die sterben oder gerade einen Verlust erlitten haben und einen guten Begleiter oder Zuhörer brauchen.